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Zeitblüten

Zeitblüten - Zeit für den Kunden, Wellness- und Pflegerituale

 

Zeit ist in der Gesellschaft zu einem Zahlungsmittel aufgestiegen, den Wohlstand erkaufen wir uns mit dem knappen Gut Zeit. Ständiger Termindruck, Arbeitsverdichtung und gesellschaftliche Konventionen bestimmen den Alltag. Ständige Reizüberflutung durch verschiedene Medien, Handys und Emails versetzen das Gehirn in eine Art Daueralarm. Stress schwächt das Immunsystem, macht anfällig für Erkrankungen und Allergien. Für gestresste Menschen ist jede Möglichkeit zu entspannen sehr willkommen und im Institut ist dafür eine der besten Gelegenheiten die Gedanken treiben zu lassen und neue Energie zu tanken.

Die Vorbereitung

 

Um den täglichen Stress auszuschalten, sollte der Ort der Entspannung entsprechend vorbereitet sein und mit positiven Energien gefüllt sein. Störfaktoren sind soweit wie möglich auszuschalten und der Behandelt mit ruhige und sanfter Stimme agieren.

Eine kurze Meditation oder Atemübung für die Kosmetikerin selbst kann helfen, den Geist zu ordnen und sich auf den nächsten Kunden zu konzentrieren.

Der Behandlungsraum sollte unbedingt gelüftet werden, um verbrauchte Energien von vorherigen Personen zu neutralisieren. Frische Handtücher sind selbstverständlich und ein Glas frisches Wasser sollte auch bereitstehen. Wenn es unbedingt notwendig ist Musik abzuspielen, dann sollte sie äußerst dezent und leise sein. Besser ist in den verschiedenen Behandlungsphasen auch einmal ohne Musikkulisse zu arbeiten. So kann sich der Kunde auf Gerüche, Gefühle und Geräusche konzentrieren und sein Achtsamkeit üben.

Störende Umweltfaktoren sollten ebenfalls soweit wie möglich ausgeschaltet werden. Das Telefon ist am angenehmsten, wenn es stumm ist, zur Entspannung trägt auf jeden Fall bei, Gespräche von anderen Kunden zu vermeiden oder sehr leise zu führen, am besten jedoch ist eine ungestörte Atmosphäre wünschenswert. Die Kosmetikerin sollte vor allem langsam und ruhig sprechen um gestresste Kunden zu beruhigen und sanft in die kommende Behandlung einzustimmen. Ruhige und bedachte Handgriffe helfen zu einer bewußten Aufnahme aller Eindrücke.

Um ein Pflegeritual zu kreieren und durchzuführen, ist genügend Zeit die Voraussetzung für eine echte Entspannung des Kunden und auch der Kosmetikerin. Alle Fragen und organisatorischen Belange sollten vor der Behandlung geklärt werden, zum Beispiel der nächste Termin oder der Beratung von Produkten. Es sei denn, man macht aus der Produktberatung ebenfalls ein kleines Ritual, mit dem bewussten Fühlen und Riechen, dem Erspüren auf der Haut, wenn das Produkt aufgetragen wird und sanft in die Haut einzieht. Das einzuschätzen ist Kompetenz der Kosmetikerin und ihrer Kreativität. Für die verschiedenen Entspannungstechniken ist es nicht ausreichend ein Buch zu lesen, es sollte eine regelmäßige Weiterbildung erfolgen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben und kompetente Grundkenntnisse zu erwerben. Arbeit man mit der Seele des Menschen, ist ein hohes Maß an Verantwortung und Empathie notwendig, um keine negativen Effekte hervorzurufen. Im Entspannungszustand können Gefühle und Emotionen zu Tage treten, die als Ungeübter schwierig zu handhaben sind. Für alle körperspezifischen Anwendungen ist auch die anatomische Kenntnis des menschlichen Körpers notwendig.

Die Regeneration des Körpers und auch die der Haut findet im entspannten und ausgeruhten Zustand statt, aus diesem Grund ist die Vorbereitung und die Schaffung einer ausgeglichenen und harmonischen Umgebung die Voraussetzung für ein nachhaltiges Pflegeritual. Jegliche Störung unterbricht den Zustand der Entspannung und der Kunde findet dann auch nicht mehr dahin zurück.

Der Aperitif

 

„Die Welt findet sich in einer Schale Tee“ wissen die Chinesen und warum sollte sie sich nicht auch für den Kunden finden. Eine japanische Teezeremonie vermittelt Ruhe, Achtsamkeit, Respekt und Sinn für Schönheit und Harmonie. Um den Kunden auf den Chado, den Teeweg, zu führen, wird eine Reihe an streng vorgegebenen Handlungsabläufen zu einem harmonischen Teezeremoniell verknüpft. Mit einem Gong wird zur inneren Einkehr geläutet und der Teemeister reinigt alle Utensilien symbolisch mit einem Seidentuch. Nun beginnt nach genauen Vorgaben der Ablauf der Teezeremonie mit dem Kochen des Wassers. Der häufig verwendete Matchatee wird in eine Teeschale gegeben und mit äußerster Konzentration schaumig geschlagen. Ist der Tee fertig, wird die Schale vor den Gast gestellt und noch einmal gedreht. Mit einer Verneigung wird der Tee angenommen und der erste Schluck hörbar genommen. In Japan dauert eine solche Zeremonie mehrere Stunden, jedoch lässt sich ein kleines Ritual auch für eine entspannende Wellness- oder Kosmetikbehandlung gestalten. Das Loslösen aus dem Alltag kann mit dem bewussten Zubereiten und dem achtsamen Genießen unterstützt werden und die Last des Tages vom Kunden nehmen. Traditionell wird keine Musik abgespielt, um die Harmonie und Ruhe nicht zu stören. Anschließend eine Matcha - Vital - Behandlung mit viel Antioxidantien verjüngt die Haut und entspannt den Geist.

Eine rituelle Fußwaschung ist Teil von ayurvedischen Ganzkörperbehandlungen. Bei Migräne und Nervosität angewendet und in einer Klangschale ausgeführt, werden Meridiane und Reflexpunkte stimuliert und sie wirkt somit beruhigend auf den Kunden.  Eine Körperbehandlung mit Klangschalen ist eine äußerst entspannende Ergänzung.

Pflege Rituale

 

Mit der Vorbereitung und dem Aperitif kann das individuelle Pflegeritual beginnen. Ganzheitlich wird das Thema der Behandlung auf den Hauttyp, die aktuelle Stimmung und den Seelenzustand des Kunden abgestimmt. Bei einem athletischen Konstitutionstyp stehen körperliche Dinge im Mittelpunkt, er hat meist großporige Haut und ist bewegungsaktiv. Eine spezielle Behandlung für die Tendenz Mischhaut mit Salbei, Angelika oder Schafgarbe ist für die Gesichtspflege indiziert und eine beruhigende Lavendel-, Melisse- oder Rosenbehandlung für den Körper und den Geist. Ein eher leptosomer Kunde hat meist trockene Haut und friert leicht. Hingegen hat der Pykniker eine Abneigung gegen Hitze und ist leicht erregbar. Eine sorgfältig geführte Kundenkartei mit Haut- und Konstitutionstypen gewährleistet eine individuelle und Typ gerechte Auswahl der Produkte und Programme, Vorlieben und Interessen des Kunden (z.B. Lieblingsfarbe, Lieblingsduft, Sportart). Einen Schritt weiter geht die Analyse der Entspannungstypen die entscheidend für die Wahl der Methode ist. Unterschieden werden zum Beispiel der Typ Stille, der Typ Lebendigkeit und Kreativität oder aktiv und passiv, auditiv, visuell, kinästhetisch, mental oder natürlich, um nur einige zu nennen.

Die optimale Eröffnung für diese Pflegeanwendung ist eine kleine Teezeremonie mit grünem Tee oder Johanniskraut- und Passionsblumentee. Entsprechend den Regeln der originalen Teezeremonie wird der Kunde mit einem Gongschlag in den Behandlungsraum gebeten (ohne Schuhe) und zur Sitzgelegenheit geführt. Ein warmes, feuchtes Handtuch wird zum symbolischen Reinigen der Hände gereicht und mit einer leichten Verbeugung wieder entfernt. Dem Kunden wird nun der lose Tee zum Sehen und Riechen angeboten, falls es für den Kunden nicht das Richtige ist, kann er hier noch einmal gewechselt werden. Möglichst in einem kleinen offenen Topf wird nun das Wasser aufgekocht, die Teekräuter in eine Teeschale gegen und langsam unter Drehen der Schale aufgebrüht. Während dieser Zeremonie werden keine Gespräche geführt, die Achtsamkeit sollte nur auf der Bereitung des Tees liegen. Nach zwei bis drei Minuten Ziehen, wird der Tee abgegossen in eine neue Schale und dem Kunden mit einer Geste des Respekts gereicht.

Während der Kunde den Tee genießt, bleibt die Kosmetikerin bei dem Kunden, um ihm das Gefühl zu geben, dass er jetzt in diesem Moment der wichtigste Mensch ist.

Anschließend wird der Kunde zu seinem Behandlungsplatz gebracht, wo er sich in Ruhe bequem hinlegen kann. Ein paar Minuten zum Ankommen auf der Liege und langsam auf die Behandlung einstimmen mit einem Mantra, einer bestimmten Musik oder heilsamen Yogaübungen.

Tibetische Entspannung

Eine reichliche Auswahl an Wellnessbehandlungen- und ritualen bieten tibetische Konzepte. Mit dem Eingangsgespräch werden zuerst die individuellen Bewegungs- und Atemübungen geplant und der Ablauf festgelegt. Hierbei sollte der Kunde schon entschleunigt werden mit einer angenehmen Umgebung, sanfter Musik und einer kurzen aber bewußten Atemübung.

 

                                                                                  Buchtipp: Der Weg zur Schönheit mit den                                                                          fünf Tibetern von Gisela Leonie Teschke

 

Mit den „Fünf Tibetern“ wird der ständige Gedankenstrom gestoppt und der Körper ganzheitlich gestärkt und jung gehalten. Bettet man die fünf speziellen Yogaübungen in sein Behandlungskonzept ein, sollte vorher kein Tee getrunken werden, damit der Magen nicht voll ist und das Üben erschwert. Nach der kleinen Bewegungssequenz fühlt sich der Kunde bei einem Tee und einem wärmenden Fußbad wohl und kann die Yogaasanas nachwirken lassen.

Mit einer Tibetischen Energiepunktmassage werden nicht mehr als fünf leicht zu erlernende Punkte stimuliert, die mit langen, bewegenden oder warmen Massagen ausgeführt werden. Die durch den gesamten Körper verlaufenden Meridiane werden am besten mit einer Tibetischen Honigmassage bearbeitet. Diese dient vor allem der Entschlackung und Entgiftung der Haut und sehr intensiv.

In einer zwanzig minütigen Nachruhe soll der Kunde die vorangegangene Behandlung nachspüren, seinen Körper bewusst wahrnehmen und beobachten.

Kurztrip

 

Wenig Zeit und nur für eine kurze Behandlung im Institut? Kein Problem, einmal kurz die Reset Taste drücken und es kann mit neuer Energie zurück an die Arbeit gehen.

Die kleine Atempause: langsam atmen und dabei so viele Muskeln wie möglich und so fest wie möglich anspannen. Den Atem kurz anhalten, langsam und tief wieder ausatmen und die Muskelanspannung lösen. Den Ablauf fünf Mal wiederholen. Das Prinzip Anspannung und Entspannung lässt die Gefäße arbeiten und regt die Durchblutung und Muskellockerung an.

Auch eine kurze Yoga Sequenz oder den yogischen Schlaf, das Yoga Nidra kann zwischendurch praktiziert werden.

 

 

Umgekehrter See:

Dazu wird ein Stapel Decken oder

ein Yogakissen etwa 5 cm vor eine

Wand gelegt. Man setzt sich

seitlich so an die Wand, dass man

abrollen und die Beine senkrecht

nach oben an der Wand ausstrecken kann.

Das Becken liegt nun auf dem Kissen oder den Decken

höher als die Schultern, der Körper ruht ohne Muskelanspannung und das Blut fließt aus den Beinen zurück.

Die kreative Fantasiereise gehört zu den beliebtesten Entspannungstechniken, da hierbei Bilder und Emotionen ausgelöst werden. Im Vorgespräch werden auch hier die Vorlieben und Interessen des Kunden herausgearbeitet um dann das Thema der Reise festzulegen und auch das Umfeld entsprechend zu gestalten. Die passende Musik untermalt die gedankliche Reise und die ruhige Ansage und Wortauswahl führt zu Ruhe und Entspannung. Als Tagesintermezzo dauert so eine kleine Reise zwischen fünfzehn und dreißig Minuten und soll alle Sinne gleichermaßen ansprechen. Mit Bildern, Geräuschen, Gerüchen und Gefühlen findet sich der Meditierende in seiner persönlichen Erlebniswelt oder an seinem persönlichen Wunschort wieder.        

Ebenso effektiv ist die geführte Kurzmeditation die auch mit Anfängern im Institut praktiziert werden kann. Es ist gut zu wissen, welchen Entspannungstyp man vor sich hat, um die Wirksamkeit zu prüfen. Meditiert werden kann im Sitzen, im Liegen aber auch im Gehen. Mit ruhiger aber konsequenter Ansage wird die Aufmerksamkeit des Übenden auf den Atem und den eigenen Körper gelenkt. Achtsam beobachtend lösen sich Anspannung und Gedankenkarussell und Entspannung und Harmonie setzen sich durch. Innehalten und spüren, Mitgefühl und Liebe mit sich selbst            sind Voraussetzung für Gelassenheit und inneres Gleichgewicht.

Regelmäßiges Meditieren verändert nachweislich die Gehirnchemie und führt zu Eier neuen Sichtweise auf sich selbst und die Umwelt.

Positive Gedanken erfüllen das Leben mit neuem Schwung und Motivation. Die Kosmetikerin kann bei der Behandlung neue Perspektiven eröffnen. Zum Beispiel: „das schlechte Wetter macht mich fertig“, positiv: „ich nehme nachher noch ein wohlige Duftbad und gönne mir einen schönen Tee“.

Es gibt viele Möglichkeiten für einen Perspektivwechsel und das Auflösen negativer Gedankenmuster für ein erfülltes und glückliches Leben. Neben den pflegerischen Behandlungen kann im Institut auch ein Yoga- oder Entspannungskurs angeboten werden, der Kunde durch ein persönliches Coaching unterstützt werden oder bei einem Workshop tiefer in das Thema eingeführt werden.

 

Yoga als Philosophie

                                              

Im Gegensatz zum allgemeinen Volksglauben ist Yoga keine Sportart, sondern eine Philosophie. Neben der Ausübung der verschiedenen Positionen, genannt Asana, gehören Entspannung, Ernährung und der Umgang mit sich selbst und anderen Menschen zu diesem Bereich. Eine Kosmetikerin mit einer Zusatzausbildung zur Yogalehrerin- oder therapeutin kann aus einem vielfältigen Angebot an Bewegungs- und Entspannungstechniken schöpfen und eine Wellnessanwendung im Institut zu einem nachhaltigen Retreat gestalten. Bei diesem Rückzug wird der Einklang von Körper und Seele angestrebt, um dem Alltag mit mehr Gelassenheit und Zuversicht entgegen zu treten. Kombiniert mit darauf abgestimmten Pflegeanwendungen für den ganzen Körper, ergibt sich ein wirksamer Jungbrunnen für zufriedene Kunden. Vielleicht lohnt es sich, so ein Retreat an einem speziellen Ort durchzuführen, um die gewohnte Umgebung zu verlassen und einen neuen, freien Blickwinkel zu eröffnen. Ein landschaftlich abgelegenes Bauerngut, ein stilles Kloster oder in einem Yogazentrum. Mit Kreativität und Fantasie kann man als Kosmetiker völlig neue Wege gehen und seine Kunden auf eine abenteuerliche Reise zu sich selbst mitnehmen.